Die Unschuldigen

Teil 1 der Trilogie zum Kampf der Geschlechter
Abendtheatertext | Uraufführung 1998, Freiburg | Besetzung: 4 Spielerinnen, 3 Spieler | 75 Minuten
ISBN 978-3-943044-93-5
24,00 EUR
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Das erotische Spannungsfeld zwischen Mann und Frau bildet die Grundlage dieser schwungvollen Inszenierung um Mittelalter, Hexenjagd, Inquisition und männlich-weibliche Machtkämpfe. Anschaulich wird der historische Stoff, angesiedelt im 12. Jahrhundert, in die heutige Zeit übertragen. In eindrücklichen Bildern begegnen sich Mann und Frau und ringen mit den seelischen Verletzungen der Hexenverfolgung auch im Heute noch um Macht, Dominanz und Anerkennung. Fast unversöhnlich…

Das Stück beginnt in der Zeit der Inquisition. Der junge Inquisitor ist wild darauf, die Ketzer auszurotten, und holt sich beim dekadenten Papst Innozenz III. die Genehmigung. Der Papst gibt sich gerade dem Genuß satter Speisen hin und erteilt dem Inquisitor die Erlaubnis, zu tun, was er möchte, um aufmüpfige Weiber, die „die heilig katholische patriarchalische Kirche unterlaufen wollen“, stillzustellen. Einige Nonnen haben sich zu einem Ritual im Wald getroffen. Sie haben alte Keltische Schriften gefunden und wollen das Ritual ausprobieren. Das Ritual setzt allerdings erotische Kräfte frei, da werden sie von den Häschern erwischt. Sie werden zum Verhör geschleppt und vom Inquisitor in die Mangel genommen. Die vier werden gequält und gefoltert, bis sie sterben.

Sie erscheinen wieder als Geister und klagen über ihre demütigenden Foltererlebnisse.

Die Zeiten ändern sich und die Seelen begegnen sich wieder in der Moderne: Die Männer treffen sich, um sich vorzubereiten, damit ihnen Frauen Anerkennung zollen. Doch in ihren Phantasien geraten sie in einen Rausch und ihnen gelüstet nach mehr: Sie wünschen sich vollständige Bewunderung, ja, Anbetung von Frauen. Doch die Frauen in der modernen Zeit sind nicht mehr gewillt, sich den Männern willenlos hinzugeben. Und so flüchten sich die Männer in den Traum vergangener Zeiten: Sie träumen, sie hätten herrliche Herrschaft und die Frauen übten dienliche Demut. Doch die Männer nehmen die Warnung des Traumes nicht ernst und der Traum entgleitet ihnen: Die Frauen entdecken den Männer-Traum, schleichen sich ein, bewundern die Männer, bis sie einschlafen, und nehmen dann alles selbst in die Hand. Sie wollen sich rächen für die Qualen, die ihnen angetan worden sind.

Nachdem sie zuerst den Männern sklavisch dienen, reißen sie das Ruder herum beziehungsweise reißen die Peitschen an sich und zwingen nun die Männer in die Knie. Erst als sie sich mit heißem Wachs an den Männern gerächt haben, ist eine erste Geste der Versöhnung möglich: Die Frauen kratzen das Wachs ab und erkennen, daß Männer und Frauen genug gelitten haben und irgendwann einmal Schluß sein muß mit dem gegenseitigen Quälen. Der ewige Zirkel der gegenseitigen Rache wird gestoppt: Als die Männer die Frauen um Vergebung bitten, verzeihen diese ihnen und alle versöhnen sich.

e.

Veröffentlicht unter Abendtheaterstücke, Theatertexte

Johannes Galli zum Nachhören

Klassik à la carte - NDR Kultur - vom 21.12.2015 - Autor/in: Mende, Hans Jürgen
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Von Johannes Galli
Erschienen in: Connection, FLIEGE Magazin, Lebensträume Magazin